TSV Rot Weiß Auerbach - Volleyball

Olympia: Der Traum ist wahr!

Es ist der pure Wahnsinn! Julius Brink und Jonas Reckermann haben beim olympischen Beachvolleyball-Turnier die Goldmedaille gewonnen. In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale gewannen die Deutschen gegen die brasilianischen Weltmeister Alison Cerutti und Emanuel Rego mit 2:1 (23:21, 16:21, 16:14) und dürfen sich Olympiasieger nennen. Es war ein historischer Erfolg, zum ersten Mal gewann ein europäisches Team beim wichtigsten Event, das es in dieser Sportart gibt. Das gleiche Kunststück war den beiden Ausnahmespielern bereits 2009 bei der WM in Stavanger geglückt, „aber Olympia“, sagt Julius Brink, „ist noch einmal etwas ganz anderes.“

Es war 22 Uhr und zwei Minuten, als Emanuel beim vierten Matchball der Deutschen seinen Angriffsschlag ins Aus setzte. Der mit 15.000 Zuschauern besetzte Center Court auf dem Platz der Horse Guards Parade wurde in seinen Grundfesten erschüttert. Brink und Reckermann konnten ihr Glück kaum fassen. Als erstes reagierte Brink und schnappte sich eine Deutschlandfahne. Reckermann kam dazu, es folgte eine lange und innige Umarmung. Kurze Zeit später fiel die Fahne in den Sand und blieb dort liegen, was keine Missachtung war. Die überglücklichen Athleten machten mit hunderten deutschen Fans auf der Tribüne, darunter viele Athleten aus dem Olympiateam, die Welle. Immer und immer wieder.

Mittendrin im Pulk standen die drei Trainer Jürgen Wagner, Markus Dieckmann und Hans Voigt, die sich herzten und ihr Glück kaum fassen konnten.

20 Minuten später standen die beiden Profis auf dem Podium um bekamen die Goldmedaillen umgehängt. Bei der Nationalhymne standen Julius Brink die Tränen in den Augen. „Es ist ein unglaublich überwältigendes Gefühl“, stammelte der Abwehrspieler, „in mir kommt die pure Freude hoch. Es ist schwer zu begreifen, was heute geschehen ist.“ Und Reckermann ergänzte, er werde nun „einfach nur diesen wahnsinnigen Moment genießen und mir keine Gedanken machen, was noch kommen wird.“

Vor zwölf Jahren hatten Jörg Ahmann und Axel Hager in Sydney Bronze gewonnen und sich damit unsterblich gemacht. Nun gibt es zwei Nachfolger, die noch höher stehen und hierzulande als Legenden in den Geschichtsbüchern ihrer Sportart verewigt werden. Als er vom Sandplatz ging, griff sich Brink mit beiden Händen in sein Trikot. Doch zerreißen, wie es der Diskuswerfer Robert Harting wollte er das Textil nicht, „so viel Kraft wie der Typ habe ich nicht.“

Brink und Reckermann wussten nicht, wie sie ihrer Gefühle Herr werden sollten. Sie hatten ein Spiel für sich entschieden, das in jeder Phase eines Olympiafinals würdig war. Reckermann sprach von „einem Drama, es gab so viele Ups and Downs, das ist einfach irre.“ Schon der erste Satz war unglaublich spannend: 5:5 nach fünf Minuten, 10:10 nach zehn Minuten, 20:20 nach zwanzig Minuten. Die brasilianische Legende Emanuel Rego sprach von „einer großen Schlacht, alle vier Spieler haben unglaublich viel gegeben.“

Die Deutschen hatten zunächst die größere Konstanz und legten vor. Die Brasilianer schlugen zurück und nutzten es im zweiten Durchgang aus, dass Brink/Reckermann erstmals ihre Linie verloren. Danach kamen sie zusammen und pflegten ein altes Ritual: „So, jetzt die letzten zehn Minuten dieses Turniers noch einmal Vollgas!“

Als es im unerbittlichen Schlagabtausch im dritte Durchgang zum Showdown kam, wurde es episch: Die Deutschen hatten beim Stande von 14:11 das Ziel vor Augen, als sie Nerven zeigten. Zwei Fehler im Sideout, ein Aufschlag von Alison, der zwischen ihnen in den Sand fiel. Es schien, als würde ihnen die Goldmedaille aus den Händen gleiten. Doch sie fingen sich und machten die entscheidenden Punkte. Eine wahnsinnige Dramaturgie, die sich der Sport für seine großen Momenten aufhebt, in denen Geschichte geschrieben wird. Über den letzten Ball, der im Seitenaus landete sagte Brink: „Ich wollte unbedingt an den Ball, zum Glück habe ich ihn nicht erreicht.“

 

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