Der Nachwuchs mischt ganz vorne mit

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Verein des Monats Februar: In der Volleyball-Abteilung der TSV Rot-Weiß Auerbach gestaltet die Jugend aktiv und eigenständig mit

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Bergstraße. Als Geldanlage wäre die Abteilung Gold wert: In knapp sechs Jahren hat sich der Mitgliederstand der Jugendmannschaften mehr als vervierfacht. Zukunftssorgen kennt hier keiner. Kein Zufall: Die Volleyball-Abteilung der TSV Rot-Weiß Auerbach hat sich in ihrer Sportart durch eine sehr aktive und außergewöhnlich hoch angesiedelte Nachwuchsarbeit an die Spitze der Bergstraße geschmettert.

Jugendförderung ist Chefsache

Jugendförderung ist Chefsache. Der Team-Charakter des Volleyballs endet hier nicht am Spielfeldrand, sondern setzt sich auch in den Spitzenämtern fort. Alleingänge gibt es nicht. Alle Spieler sind gleichberechtigt, jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Rotationsregelung im Vorstandsteam? Nein, es gibt schon feste Posten. Doch die Philosophie tickt durchaus nach diesem streng kooperativen Prinzip.

Ein Erfolgsrezept für die Abteilung, die 1965 gegründet wurde und seit Jahren einen Aufschwung erlebt. Für uns der „Verein des Monats Februar“.

Man sagt: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“ Die Volleyballer haben nicht nur den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst, sondern auch durch innovative Konzepte neue Akzente in der regionalen Sportszene gesetzt. Gepunktet hat das Team vor allem durch die enge Verzahnung mit Schulen, die konsequente Ausrichtung auf klar definierte Zielgruppen und mit einem autarken Jugendvorstand, der den „alten“ Kollegen auf Augenhöhe begegnet.

Weibliche Jugend | Foto: Thomas Weber

„In unserem Verein einmalig“, kommentiert Abteilungsleiter Michael Kärchner, der1989 als Fünftklässler mit dem Sport in Berührung gekommen ist. Wie viele andere auch über Martin Dürr, der zu Recht als Motor der Volleyball-Abteilung gilt. Seit 2009 laufen bei seinem Nachfolger und dessen Vorstandskollegen alle Fäden zusammen. Organisation, Administration, Kommunikation. 14 Köpfe sind ein Team, die Talentförderung eines der wichtigsten Ziele. „Wir wollen den Nachwuchs sportlich wie sozial fördern und fordern“, betont Michael Kärchner.
 
 

Passende Teams für jedes Alter

Für alle Alters- und Leistungsniveaus stehen passende Mannschaften zur Verfügung. Nach einer Durststrecke ist man 2005 wieder voll durchgestartet und pflegt heute drei weibliche und einen männlichen Jugendkader sowie eine gesonderte Talentfördergruppe für Kinder der 5. bis 7. Klassen. Der stellvertretende Abteilungschef, Trainer Thomas Weber, hat den offensiven Kurs maßgeblich dirigiert.

Die Kooperation mit der Joseph- Heckler-Schule und der Geschwister-Scholl-Schule läuft seit knapp einem Jahr. Einmal pro Woche haben Schüler der 3. bis 6. Stufen Gelegenheit zur Teilnahme an einer Volleyball AG unter der Leitung von Anja Seitz, einer Trainerin und Grundschullehrerin. Ein spielerischer Einstieg für den Nachwuchs, der auch bei Schnuppertrainings mit der Sportart anfreunden kann. Mit großer Resonanz: „Die Kurse sind regelmäßig ausgebucht“, sagt der Abteilungsleiter, der den Anspruch einer individuellen Förderung betont. Abiturienten mit Volleyball als Prüfungsfach können ihre Fähigkeiten unter kompetenter Regie mit Gleichgesinnten auf dem Spielfeld verbessern.

Miteinander an vorderster Stelle

Dort ist immer was los. Ausfälle gibt es nicht. Auch die Trainer – die meisten sind Eigengewächse – spielen im Team. Das Gros der Coaches ist sportlich top und besitzt darüber hinaus noch eine pädagogische Ausbildung – eine Kompetenz, die auch beim sozialen Aspekt der Vereinssparte eine wesentliche Rolle spielt: Das Miteinander steht nicht nur auf dem Volleyballfeld an vorderster Stelle.

Immer wieder frische Ideen

Jugendcamp| Foto: Michael Kärchner

Seit zwei Jahren definiert eine eigene Jugendordnung das Selbstverständnis und die innere Organisation der Nachwuchsabteilung. Es gibt einen eigenen, selbst gewählten Vorstand, einen eigenen Etat und eine jährliche Vollversammlung. Auf diese Weise sind die Jungen aktiv an allen Entscheidungen der Vorstandsspitze beteiligt und können selbstverantwortlich Aktivitäten planen und über Finanzmittel verfügen. „Eigenständigkeit braucht auch eigene Kassen“, sagt Michael Kärchner, der betont, dass diese Regelung exzellent funktionierte. Die Posten sind seither lückenlos ständig besetzt. „Der Verein kann dadurch nur gewinnen.“ Gemeinsam mit der Abteilung werden alljährlich Trainingscamps auf die Beine gestellt.

Der besondere Freiraum der Volleyball-Jugend schürt auch den Zusammenhalt und die Identifikation mit Abteilung. Von 200 Mitgliedern ist rund ein Drittel unter 19 Jahre alt. Tendenz steigend. Die innere Dynamik spiegelt sich auch in frischen Ideen und neuen Initiativen, die der Abteilung Vitalität verleihen. Um die jungen Leute schnell und gezielt zu erreichen, wird eine Fanseite auf Facebook gepflegt. Auch die Homepage ist stets brandaktuell. Dass die Abteilung vom BA zum Monatssieger Februar gekürt wurde, stand schon kurz nach der Bekanntgabe im Netz.

 Viele Bewerber: Die Entscheidung für den Verein des Monats Februar war nicht einfach

„Was macht Ihren Verein für Kinder und Jugendliche attraktiv?“ hatte der BA gefragt – und zahlreiche Antworten bekommen. Die Reaktionen waren mal kreativ und mal sachlich, mal ausführlich und mal eher knapp. Deutlich wurde bei allen Bewerbern: Die Bergsträßer Vereine machen richtig mobil, um sich motivierten Nachwuchs ins Haus zu holen.

Zum Beispiel die Sportgemeinschaft Lautern, die in diesem Jahr schon ihr elftes Fußball-Camp für Kinder und Jugendliche veranstaltet. Dabei stehen nicht nur der sportliche Aspekt, sondern auch Fairness und soziales Teamplay im Vordergrund.

Andere Clubs wie der Turn- und Sportverein Zwingenberg, der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Auerbach oder der Bensheimer Kraftsportverein suchen den direkten Kontakt zu den örtlichen Schulen, um sich junges Blut an Land zu ziehen. Mit Erfolg. Auch der Turn- und Sportverein Reichenbach setzt an der Basis an: mit Kinderturnen und Kursen für Mutter und Kind.

Die Überleitung von Sport zu Bildung könnte nicht besser gelingen wie durch einen Verweis auf den Verein „Active Learning“. Das Team unterstützt Kinder beim Lernen und leistet gezielte Orientierungshilfe auch durch ein angeschlossenes Sportangebot.

Auf 33 kleine Köpfe angewachsen ist die Abteilung Kinderturnen des TV Bensheim. Eine tolle Bilanz: Vor zehn Jahren startete das Team mit fünf Premierengästen. Das faire Miteinander auf Augenhöhe spielt die Hauptrolle in dieser großen Sportfamilie. Auch beim TSV Lindenfels wächst die Zukunft unter dem eigenen Dach heran: Von 665 Mitgliedern sind 280 Kinder und Jugendliche.

Ganze Familienmitgliedschaften bietet die Spielerei Bergstraße – da ist der Nachwuchs automatisch mit im Boot. Und genießt die Möglichkeiten einer vollwertigen Mitgliedschaft.

Für die Integration ausländischer Kinder verzichtet die Turnvereinigung Lorsch auch gerne mal auf Mitgliedsbeiträge. Applaus dafür! Der Zwingenberger Geschichtsverein hat sich für die junge Zielgruppe extra zwei neue Maskottchen angelacht: Löwe Philipp und Museumsmaus Anna erklären kindgerecht historische Zusammenhänge. Bei solchen Geschichtslehrern blickt auch der Nachwuchs gern zurück.

Bergsträßer Anzeiger
07. Februar 2012

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